Seiten. Das klingt nach dem simpelsten Feature, das man in ein Kompendium einbauen kann. Ist es nicht. Bevor ich dir erzähle, was Seiten können, muss ich dir erklären, warum es sie überhaupt braucht. Dafür nehme ich dich mit zu einer Situation, die du kennst: dem dritten Charakterbogen, den du gerade wieder als Markdown-Tabelle anlegst.

Der dritte Charakterbogen

Ich spiele eine Weile einen Charakter und will seine Werte, Fähigkeiten und Ausrüstung an einem Ort haben. Also lege ich ein Dokument an und baue eine Tabelle. Name, Spezies, Klasse, Stufe, ein paar Zahlen, ein Absatz Ausrüstung. Beim nächsten Charakter mache ich dasselbe, nur dass ich diesmal ein Feld vergesse und die Spalten anders sortiere. Beim dritten Charakter ärgere ich mich, dass mein eigener Bogen schon wieder anders aussieht als beim letzten Mal.

Dabei geht es nicht um Optik. Es geht darum, dass ich mich auf die Struktur verlassen kann. Dass ich weiß, wo die Werte stehen, wenn ich sie brauche. Dass mein Spielleiter mich nicht fragen muss, wo ich die Fähigkeiten versteckt habe. Genau hier beginnt die Geschichte der Seiten.

Was es bisher gab: Dokument, Bild, Weltentität

Bevor ich zur Lücke komme, kurz zu dem, was schon da ist. Nicht aus Höflichkeit, sondern weil die bestehenden Inhaltstypen wichtig bleiben.

Dokumente sind die freie, erzählende Form. Tagebücher, Charakterhintergründe, Sitzungsprotokolle, lange Notizen. Ein Markdown-Editor, viel Platz, keine festen Felder. Wenn ein Inhalt vor allem erzählt wird, ist ein Dokument bis heute die richtige Wahl.

Bilder sind wiederverwendbare Medien. Portraits, Ortsansichten, Battlemaps. Sie liegen einmal im System und lassen sich überall einbinden. Mehr ist dazu nicht zu sagen, und das ist gut so.

Weltentitäten sind das benannte Wissen der Welt. Sie machen Zusammenhänge sichtbar und überprüfbar: Wer ist mit wem befreundet, wer wurde wo geboren, wann wurde das Artefakt geschmiedet. Beziehungen, Fakten und Ereignisse lassen sich ohne lange Textanalyse ansehen. Dass der Keeper davon später profitiert, ist ein zweiter, angenehmer Nebeneffekt. Der erste Nutzen ist deiner: Du siehst deine Welt auf einen Blick geordnet.

Bleibt eine Lücke zwischen dem freien Erzählen des Dokuments und dem benannten Wissen der Weltentität. Es fehlt etwas, das immer wieder gleich aussehen soll. Der Charakterbogen. Das Handout. Die Checkliste.

Zwei Antworten: eigenständige Seite und Profil

Statt einer Lösung habe ich zwei gebaut, weil es zwei verschiedene Fragen sind.

Eine eigenständige Seite lebt im Kompendium. Sie bekommt Titel, Ablage, Kategorie und Schlagworte wie andere Inhalte auch. Sie ist die Wahl für Handouts, Gruppen-Briefings, Regelübersichten, Checklisten oder druckbare Reisepläne. Für alles, das für sich steht und nicht an einer Weltentität hängen soll.

Ein Profil bleibt bei seiner Weltentität. Ein Charakter ist eine Weltentität, also hängt sein Bogen als Profil direkt daran. Im Weltenbaum entsteht kein zweiter Eintrag. Öffnest du den Charakter, siehst du seine allgemeinen Informationen, seine Beteiligungen an Ereignissen und direkt daneben sein Profil mit Werten und Fähigkeiten.

Ein Profil-Template legt fest, welche Weltentitätstypen es akzeptiert. Ein Charakterbogen-Template erlaubt nur Personen. Das ist eine Regel des Templates, keine globale Annahme. Deshalb hängt in meiner Welt zum Beispiel das Rezept-Profil an der Delikatesse „Rote Gertrud“, einer Kartoffel aus der Spielwelt meines Spielleiters, während das Charakterbogen-Template nur für Personen gilt.

Der Ablauf in einem Bild

Eine Seite beginnt nicht im Formular-Builder, sondern mit der Frage, welche Rolle der Inhalt in deiner Welt spielt. Danach wählst oder baust du ein Template, füllst die Felder und speicherst. Der Weg ist bei beiden Varianten derselbe, und ein Keeper-Entwurf ist immer nur ein Vorschlag: Gespeichert wird erst nach deiner Prüfung.

Ablauf von der Entscheidung zwischen Profil und eigenständiger Seite über Template und Eingabe bis zur geprüften, nutzbaren Seite.

Was ein Template steuert

Ein Template ist eine Zusammenstellung aus Abschnitten, Feldgruppen und wiederholbaren Zeilen. Die Feldpalette dahinter ist bewusst begrenzt: Text und Markdown, Auswahl, Checkbox und Checkliste, Zahlen mit Minimum, Maximum, Schritt und Einheit, Zähler mit aktuellem und maximalem Wert, Weltdatum und Bild. Mit Feldgruppen und wiederholbaren Zeilen ordnest du zusammengehörige Werte; Bildfelder platzieren Portraits, Karten oder Fundstücke direkt im Layout.

"Begrenzt" klingt negativ, ist hier aber das Ziel. Ein Template aus einer festen Palette bleibt validierbar, suchbar und für Druck und Keeper verständlich. Wer einen Charakterbogen anlegt, kann keine Buchstaben in ein Zahlenfeld tippen.

Zu jedem Template gehören drei Darstellungen: die geöffnete Ansicht, in der du arbeitest; eine derzeit experimentelle kompakte Vorschau; und ein physisches A4-Drucklayout, das sich sauber ausdrucken oder über die Druckfunktion des Browsers als PDF speichern lässt. Die kompakte Vorschau ist noch kein Versprechen für jede Ergebnisliste, das sage ich ehrlich dazu.

Ein wichtiger Vertrag: Änderungen an einem Template gelten nur für künftig erstellte Seiten und Profile. Bestehende Inhalte behalten ihre Form. Das ist anfangs ungewohnt, schützt dich aber davor, dass eine Template-Anpassung deine fertigen Bögen umbaut.

Als Beispiel liegt meine Interpretation eines Starter-Bogen für Dungeons & Dragons (D&D) bei, du kannst ihn natürlich überarbeiten. Atlavium bleibt dabei systemunabhängig. Der Bogen ist ein mitgeliefertes Template, kein eingebautes Regelsystem und keine VTT-Funktion. Er zeigt, wie weit man mit Feldern und Feldgruppen kommt.

Suchen, Teilen und die Grenze deiner Welt

Weil Seiten aus Feldern bestehen, lassen sie sich anders durchsuchen als Fließtext. Du filterst nach Seite oder Profil und nach Template. Wer alle Bögen einer Kampagne sucht, filtert nach dem Charakterbogen-Template und sieht genau die passenden Profile.

Beim Teilen greift dieselbe Template-Struktur, und hier gibt es eine Neuerung. Seiten werden nur in Inhaltspaketen angeboten, so wie ich es im Beitrag zu Privatsphäre und dem Teilen von Inhalten beschrieben habe. Das Template legt für jedes Feld fest, ob es die Grenze deiner Welt überschreiten darf. Du entscheidest also pro Feld, nicht pro Seite. Der Charaktername darf mitreisen, die Notiz mit den geheimen Plänen bleibt zurück. Nicht freigegebene Felder und ihre Bilder bleiben vollständig bei dir. Freigegebene eingebettete Bilder reisen als sichtbare, notwendige Abhängigkeiten mit, und bei einem Profil auch die Weltentität, zu der es gehört. Sonst käme der Empfänger mit einem Bogen an, der zu niemandem gehört.

Und der Keeper?

Erst jetzt kommt der Keeper ins Spiel, bewusst als optionaler Assistent. Wenn du aus einem Template eine Seite oder ein Profil anlegen willst, kann der Keeper einen Entwurf liefern. Er erhält dafür das konkrete Template und ein striktes Schema. Er recherchiert nur in autorisierten Quellen deiner aktuellen Welt und liefert einen belegten Vorschlag mit Quellenangabe. Du wählst aus, welche Felder du übernehmen willst, übernimmst sie in das normale Formular, bearbeitest bei Bedarf und speicherst erst dann. Was Kanon wird, entscheidest weiterhin du. Der Keeper baut dir den dritten Charakterbogen nicht mehr von vorn auf, er bereitet ihn vor.

Ein Experiment, ehrlich gesagt

Seiten sind ein experimentelles Feature. Die Grundidee und die gespeicherten Inhalte sind belastbar. Feldpalette, kompakte Darstellung und Arbeitsabläufe dürfen sich mit eurem Feedback noch verändern. Entstanden sind die Seiten, weil mir mehrfach gesagt wurde, dass man sich mehr Struktur wünscht. Was genau diese Struktur kann und wo sie wehtut, zeigt sich erst in der echten Nutzung.

Dazu habe ich eine konkrete Frage an dich: Welches Template fehlt deiner Runde noch? Ein Bestiarium? Eine Ortsübersicht? Ein Reiseplan zum Ausdrucken? Eine Möglichkeit Seitenstrukturen zu teilen? Sag es mir. Ich bin auf Feedback angewiesen, und nur dein Feedback macht aus dem Feature das, was du brauchst. Komm dazu gern auf den Atlavium Discord und lass uns reden.