Atlavium. Das klingt beim ersten Lesen vielleicht ein wenig ungewohnt. Bei mir war es genauso. Inzwischen habe ich das Wort oft genug ausgesprochen, auf Notizzettel geschrieben und meinen Arbeitskollegen zugemutet, dass es sich ziemlich selbstverständlich anfühlt. Das war bei den ungefähr fufzig Namen davor nicht der Fall.
Kurz nach dem Release von Version 1.0 bekommt das Projekt nach Jahren einen neuen Namen. Das ist nicht ideal, hätte ich es gleich mitdenken können bei der ganzen Überarbeitung die letzten Monate. Aber je länger ich darüber nachgedacht habe, desto deutlicher wurde: Wenn ich diesen Schritt machen will, dann lieber jetzt als nach weiteren Jahren, noch mehr Artikeln und einer noch größeren Sammlung von Dingen, auf denen der alte Name steht.
Von NovDoc zu einer ganzen Plattform
Dieses Projekt hat ohnehin schon mehrere Leben hinter sich. Es begann als lokale Dokumentensuche, war eine Desktop-Anwendung, landete als Single-User-Webversion hinter einem Passwortschutz und hat mindestens zwei ernsthafte Anläufe als Cloud-Anwendung erlebt. Allein in vier verschiedenen Repositories habe ich neue Architekturen ausprobiert, verworfen und noch einmal von vorn gedacht.
Ein wichtiger Grund dafür war die Datenhaltung. Eine lokale Anwendung klingt angenehm unabhängig, bringt aber für Menschen, die nicht täglich Datenbanken und Entwicklungsumgebungen pflegen, schnell zusätzliche Komplexität mit. Gerade, wenn man auf Datenbanktechnologien setzen will, die über das lokal Mögliche hinausgehen. Ich habe lange nach einer Lösung gesucht, die sich lokal genauso verlässlich und einfach betreiben lässt wie ein gehosteter Dienst. Vielleicht gibt es dafür einen perfekten Ansatz. Ich habe ihn nicht gefunden – jedenfalls keinen, den ich guten Gewissens allen möglichen Spielrunden hinstellen wollte.
Der erste Name war entsprechend nüchtern: NovDoc. Das war eine Dokumentensuche für Novalis, eine Republik in der Welt meines Dungeon Masters. Ich wollte ihm helfen, in seinen vielen Texten wiederzufinden, was wir über Orte, Personen und Ereignisse bereits wussten. Mehr sollte es am Anfang gar nicht sein.
Im Sommer 2024 war NovDoc längst zu klein geworden. Aus der Suche war ein Werkzeug für ganze Rollenspielwelten entstanden. Ich suchte nach einem offeneren Namen, prüfte „Chronicle Keeper“, fand damals keine direkte Überschneidung mit dem, was ich baute, registrierte die Domain und legte eine GitHub-Organisation an. Ähnliche Namen wie LegendKeeper kannte ich. In der Welt der Rollenspielwerkzeuge schienen Chroniken, Legenden, Archive und Hüter einfach zum üblichen Vokabular zu gehören.
Eine überraschend volle Namensschublade
Dann kam Version 1.0. Nach Jahren Arbeit, mehreren Neubauten und sehr viel hilfreichem, gelegentlich schmerzhaftem Feedback war die Registrierung endlich offen. Und kurz danach stellte ich fest, wie viele Projekte inzwischen denselben oder einen sehr ähnlichen Namen verwenden. Sogar Domains und GitHub-Projekte lagen plötzlich erstaunlich nah beieinander.
Mein erster Gedanke war tatsächlich: Was für ein Zufall. Mein zweiter war weniger bequem. Hatte ich mit einem so naheliegenden Namen wirklich eine gute Entscheidung getroffen?
Ich kann niemandem vorwerfen, Wörter wie Realm, Chronicle, Lore, Legend, Archive oder Forge zu verwenden. Ich hatte selbst einen Namen gewählt, der aus genau dieser Schublade stammt. Dass sich dort mehrere Werkzeuge begegnen, ist kein Fehlverhalten, sondern ziemlich vorhersehbar. Nur war mir diese Vorhersehbarkeit beim ersten Anlauf nicht wichtig genug gewesen.
Der alte Name hatte trotzdem Gewicht bekommen. Ich hatte ein Logo entwickelt, das Farbsystem mehrfach überarbeitet und lange darüber nachgedacht, wer oder was dieser Keeper eigentlich ist. Sollte Waldemar als etwas hochnäsiger Stratege im Vordergrund stehen? Oder ein Keeper ohne großen Eigennamen, der die Bibliothek an Bord eines Luftschiffs bewahrt? Am Ende gewann die zweite Idee. Sie trägt bis heute einen großen Teil der visuellen Identität.
Einen vertrauten Namen abzugeben, heißt deshalb nicht nur, eine Zeichenfolge im Header auszutauschen. Es fühlt sich ein wenig so an, als würde man das Schild an einer Werkstatt abschrauben, in der man seit Jahren arbeitet.
Namenssuche mit unfreiwilligem Kollegium
Meine Arbeitskollegen können inzwischen ein Lied von der Suche singen. Die meisten spielen selbst keine Pen-&-Paper-Rollenspiele und verstehen vermutlich bis heute nicht ganz, warum ich meine Freizeit in ein System für fiktive Kalender, Quests und widersprüchliche Quellen stecke. Dafür wussten sie sehr genau, dass jederzeit ein neues Fantasiewort in den Raum geworfen werden konnte.
Ich wollte keinen komplizierten Kunstnamen, den man dreimal buchstabieren muss. Er sollte sich aussprechen lassen, nach einmaligem Hören halbwegs im Gedächtnis bleiben und nicht schon mit einer langen Liste anderer Produkte verbunden sein. Vor allem sollte er zur bestehenden Bildwelt passen. Das Luftschiff, die Wüstenbibliothek und Keeper wollte ich nicht verlieren. Daran hängt inzwischen zu viel von dem, was dieses Projekt für mich ausmacht.
Ausgerechnet Begriffe rund ums Fliegen erwiesen sich als besonders überlaufen. Nahezu jede halbwegs brauchbare Kombination aus lateinisch, englisch, französisch oder frei erfundenem Luftfahrtklang war bereits irgendwo vergeben. Nüchterne Softwareentwicklung und Namensfindung bleiben eben unterschiedliche Disziplinen. Zum Glück war ich lange nicht beim Friseur; Material zum Haare-Raufen war vorhanden.
Warum Atlavium geblieben ist
Der Durchbruch kam mit Atlavium. Einer meiner Kollegen verband damit sofort eine Geschichte aus seiner Vergangenheit – irgendetwas mit einer Achterbahn, die eigentlich anders hieß. Das Entscheidende war nicht die Genauigkeit dieser Assoziation. Es war das erste Mal, dass mich niemand vollkommen ratlos ansah. Das Wort ließ sich wiederholen. Man konnte ungefähr erahnen, wie es geschrieben wird. Und nach einigen Tagen war es noch da.
Atlavium ist bewusst kein Begriff mit einer engen Wörterbuchdefinition. Für mich steckt darin etwas von Atlas, Navigation, Aufbruch und einem Ort, der viele Welten tragen kann. Das passt erstaunlich gut zu dem Bild, das längst da war: ein Luftschiff als wandernde Bibliothek, sicher über der Wüste, während Keeper an Bord versucht, zwischen Karten, Quellen und den Notizen einer chaotischen Spielrunde Ordnung zu halten.
Dabei ist Atlavium nicht der Name einer einzelnen Welt. Atlavium ist das Dach, unter dem viele getrennte Welten liegen können. Jede Welt hat ihr eigenes Kompendium. Darin bewahrst du Quellen, Personen, Orte, Quests, Sessions und den Kanon, für den am Ende weiterhin du verantwortlich bist. Keeper bleibt der Bibliothekar, der beim Suchen und Verbinden hilft. Er wird nicht plötzlich zum allwissenden Kapitän und entscheidet auch nicht, welche Geschichte wahr ist.
Der Name verändert also nicht den Kern des Projekts. Er gibt ihm nur einen eigenständigeren Rahmen.
Der Übergang beginnt jetzt
Die Marketingseite und alle neuen Veröffentlichungen werden künftig Atlavium heißen. Historische Artikel und Changelogs behalten ihre damaligen Titel, damit ein Release nicht rückwirkend unter einem Namen erscheint, den es zu diesem Zeitpunkt noch nicht gab. Ein kurzer Hinweis wird den Übergang erklären. Auch die App-Adresse bleibt vorerst unter der bekannten Subdomain erreichbar. Ein Rebranding hat genug bewegliche Teile; ich muss nicht alle gleichzeitig aus dem Luftschiff werfen.
Natürlich fühlt sich der neue Name noch nicht überall vertraut an. Das darf er aber werden. Je häufiger ich ihn in Verbindung mit dem Kompendium, den Welten und Keeper sehe, desto besser passt er zu dem Ort, den ich die ganze Zeit bauen wollte.
Was denkst du über den Namen? Lässt er sich gut aussprechen? Bleibt etwas davon hängen? Schreib mir gern auf Discord – ehrliches Feedback hat dieses Projekt schließlich überhaupt erst bis hierher gebracht.
Ich habe mein Kompendium im Atlavium sicher untergebracht. Willkommen an Bord.

