Endlich ist es so weit: Die Registrierung ist geöffnet und Chronicle Keeper 1.0 ist öffentlich. Dieser Satz fühlt sich gleichzeitig großartig und ein wenig merkwürdig an. Schließlich ist „Version 1.0“ bei einem Hobbyprojekt ungefähr so endgültig wie der Plan einer Rollenspielgruppe, heute wirklich pünktlich anzufangen.

Für mich bedeutet 1.0 deshalb nicht, dass jede Idee umgesetzt und jede Kante abgeschliffen ist. Es bedeutet, dass Chronicle Keeper einen Stand erreicht hat, mit dem ich guten Gewissens die Tür öffnen und sagen kann: Komm herein, leg deine Welt auf den Tisch und probiere es aus.

Bevor ich erzähle, was daraus geworden ist, möchte ich meinen Freunden danken. Sie haben Chronicle Keeper über Jahre mit Welten, Kampagnen, kaputten Workflows, sehr konkreten Wünschen und erfreulich ehrlichem Feedback gefüttert. Ohne ihre Geduld wäre das hier vermutlich noch immer eine etwas zu ambitionierte Dokumentensuche auf meinem Rechner.

Wenn du vor allem die nüchterne Liste der neuen Funktionen suchst, findest du sie im Changelog zu Version 1.0. Hier möchte ich lieber die Geschichte dahinter erzählen.

Alles begann mit einem Dungeon Master und OneNote

Der eigentliche Grund für dieses Projekt war, dass mein Dungeon Master mit seinem OneNote verrückt geworden ist. Heute gibt es natürlich viele bessere Notizbücher, Wikis und Kampagnenwerkzeuge. Damals war es eben OneNote – und die wichtige Information befand sich zuverlässig in genau dem Notizbuch, Abschnitt oder Unterabschnitt, in dem gerade niemand suchte.

Das Problem waren nicht zu wenige Notizen. Das Problem war, dass eine über Jahre gewachsene Rollenspielwelt mehr ist als ein Stapel Textseiten. Charaktere kennen Orte, Fraktionen verfolgen Ziele, alte Ereignisse erklären neue Konflikte und irgendwo wurde vor acht Monaten ein Name erwähnt, der heute plötzlich sehr wichtig ist. Diese Zusammenhänge in einem gewöhnlichen Notizbuch lebendig zu halten, ist harte Arbeit.

Als Softwareentwickler lasse ich eine solche Gelegenheit für ein neues Hobbyprojekt selbstverständlich nicht ungenutzt. Man könnte auch sagen: Ich sah das Leid meiner Freunde und antwortete darauf mit mehreren Jahren zusätzlicher Arbeit für mich selbst. Eine vollkommen vernünftige Entscheidung.

Die erste Fassung war klein. Dokumente ablegen, Inhalte durchsuchen, Wissen wiederfinden. Danach kam ein Problem nach dem anderen hinzu – und mit jedem Problem wurde deutlicher, dass Chronicle Keeper nicht nur Notizen verwalten, sondern die Struktur einer Welt verstehen muss.

Zwei Jahre Charakter, acht Tage Welt

Ich nutze Chronicle Keeper nicht nur als Entwickler, sondern auch als Spieler. In unserer Dungeons & Dragons Runde spiele ich in einer vollständig selbst erdachten Homebrew-Welt. Sie leiht sich Dinge aus Dungeons & Dragons, aber wenn ich vergessen habe, warum eine bestimmte Familie in einer bestimmten Stadt keinen guten Ruf genießt, hilft mir Google herzlich wenig.

Nach jeder Session schreibe ich das Tagebuch meines Charakters weiter und fülle sein Kompendium mit dem Wissen, das er tatsächlich gesammelt hat. Das ist mir wichtig: Mein eigenes Metawissen darf mit der Zeit verschwimmen. Für meinen Charakter möchte ich aber nachlesen können, wem er begegnet ist, was er über einen Ort erfahren hat und weshalb er einer Fraktion lieber nicht den Rücken zuwenden sollte.

Ein kleiner Rollenspiel-Fakt am Rande: Diesen Charakter spiele ich seit mehr als zwei Jahren. In seiner Welt sind währenddessen gerade einmal acht Tage vergangen. Er erinnert sich inzwischen an deutlich mehr Einzelheiten als ich – was leicht unverschämt ist, schließlich bin ich derjenige, der ihn spielt. Chronicle Keeper hilft uns beiden dabei.

Aus einer Dokumentensuche wurde eine Welt

Heute ist das Kompendium das Herz von Chronicle Keeper. Dort liegen Dokumente und Bilder neben den Weltentitäten des Weltatlas: Personen, Orte, Fraktionen oder all die anderen Typen, die du für deine eigene Welt brauchst. Auch Kampagnen, Quests und Whiteboards finden dort ihren Platz. Ordner, Kategorien und Tags sorgen dafür, dass aus einer langen Chronik kein digitaler Dachboden wird.

Darum herum stehen Werkzeuge mit einer eigenen Aufgabe. Der Weltkalender bildet die Zeit deiner fiktionalen Welt ab. Sessions halten fest, was eure echte Spielrunde geplant und erlebt hat. Die Suche und die Command Palette bringen dich schnell zum richtigen Inhalt. Gespräche sind der Ort, an dem du mit dem Keeper arbeitest. Und der Weltgraph zeigt dir die Verbindungen, die zwischen deinen Einträgen längst entstanden sind.

Das klingt jetzt verdächtig nach einer Produktliste – und das ist es auch ein bisschen. Für mich steckt dahinter aber weiterhin dieselbe einfache Frage wie am Anfang: Wie komme ich Jahre später zu genau dem Wissen zurück, das meine Runde gerade braucht?

Zusammenhänge statt Zettelstapel

Besonders wichtig sind mir deshalb Beziehungen und Ereignisse. Eine Beziehung beschreibt einen aktuellen Fakt: Bruder Calder lebt in Greyhaven oder Lady Seraphine Vale gehört zu einem bestimmten Haus. Ein Ereignis hält fest, was geschehen ist: Wer war am Hinterhalt beteiligt, welche Rolle hatte eine Fraktion und an welchem Weltdatum fand das Ganze statt?

Dokumente, Bilder und Whiteboards können als Nachweise dienen. Kampagnen, Quests, Sessions und Kalenderereignisse geben Spielkontext. So bleibt nicht nur die Behauptung erhalten, sondern auch, woher sie stammt und warum sie für eure Geschichte wichtig war.

Der Weltgraph: Ein Pfad führt von Bruder Calder über Greyhaven zu Lady Seraphine Vale und macht eine Verbindung sichtbar, die in einzelnen Notizen leicht verloren ginge.
Ein Ereignis mit Kontext: Beteiligte übernehmen Rollen, ein Weltdatum verankert die Szene und Nachweise bewahren ihre Grundlage.
Der Keeper bei der Vorbereitung: Er arbeitet mit dem Wissen der Welt und macht aus vorhandenen Plänen eine praktische Checkliste für die nächste Session.

In diesen drei Ansichten steckt für mich sehr viel von dem, was Chronicle Keeper sein soll: Wissen aufschreiben, seinen Ursprung bewahren, Verbindungen erkennen und daraus am Spieltisch wieder etwas Nützliches machen.

Der Keeper soll deine Welt kennen, nicht sie ersetzen

Dann kam die Zeit der künstlichen Intelligenz, und aus dem kleinen Dokumentenfinder wurde endgültig etwas, das ich am Anfang nicht geplant hatte. Der Keeper ist ein KI-gestützter Bibliothekar, der mit den festgehaltenen Inhalten deiner Welt arbeitet. Er kann Wissen finden und zusammenfassen, Quellen anzeigen, bei der Vorbereitung helfen oder auf offene Punkte aufmerksam machen.

Dabei soll er kein beliebiger Chatbot mit Fantasy-Hut sein. Seine Antworten sollen aus deiner Welt kommen. Und wenn er neue Ideen vorschlägt, werden diese nicht heimlich zum Kanon: Du prüfst selbst, was du übernehmen möchtest. Der Keeper darf beim Denken helfen. Die Entscheidung darüber, was in deiner Welt wahr ist, bleibt bei dir und deiner Runde.

Die KI-Funktionen sind optional und werden vorerst auf Anfrage über Discord freigeschaltet. Sie verursachen im Gegensatz zum restlichen Betrieb spürbare laufende Kosten. Schreib mir dort einfach, erzähl mir ein wenig von deiner Runde und gib mir später ehrliches Feedback. Dann finden wir normalerweise einen Weg – ohne das Versprechen, dass dieser Zugang für alle Zeiten unverändert bleiben kann.

Kostenlos, weil es ein Hobby aus Leidenschaft ist

Chronicle Keeper ist und bleibt zunächst mein Hobbyprojekt. Ich nutze es zum Lernen und um meine fast 30-jährige Leidenschaft für Rollenspiele in all ihren Formen und Farben zu teilen. Deshalb ist die Registrierung offen und der Einstieg ohne KI-Funktionen kostenlos.

Solange nicht plötzlich einige Millionen Menschen gleichzeitig ihre Welten hier unterbringen wollen, kann und möchte ich diesen grundlegenden Betrieb tragen. Ein bezahltes KI-Modell würde aus dem Hobby allerdings schnell ein deutlich größeres organisatorisches und rechtliches Projekt machen. Diesen Schritt will ich im Moment nicht erzwingen. Vielleicht entwickelt sich daraus irgendwann ein Verein oder ein anderes gemeinschaftliches Modell. Vielleicht finden wir eine ganz andere Lösung. Wir werden sehen.

Ich freue mich über regen Austausch auf Discord und natürlich auch über einen Münzwurf in die Kaffeekasse. Beides ist eine Unterstützung, keine Eintrittskarte. Noch wichtiger ist mir, zu erfahren, wie Chronicle Keeper an echten Spieltischen genutzt wird, wo er hilft und wo er euch noch im Weg steht.

Version 1.0 ist kein Endpunkt

Meine Ideenliste ist weiterhin länger als die durchschnittliche Ausrüstungsliste eines Abenteurers. Darauf stehen unter anderem:

  • Content Sharing weiter ausbauen, damit sich Kopien und synchronisierte Inhalte gezielter verteilen lassen
  • ausgewählte Inhalte oder ganze Welten kontrolliert veröffentlichen
  • die Relevanzsuche in sehr langen Texten weiter verbessern
  • kurze Abenteuer oder Quests aus dem vorhandenen Wissen einer Welt vorschlagen lassen
  • Beziehungen aus Texten erkennen und als prüfbare Vorschläge anbieten
  • und natürlich die Ideen und Wünsche, die erst durch eure Runden entstehen

Das ist keine feste Roadmap und erst recht kein Versprechen mit Datum. Es ist die Richtung, in die ich gern weiterdenken möchte. Welche dieser Ideen wirklich wichtig sind, zeigt sich nicht in meinem Notizbuch, sondern durch die Menschen, die Chronicle Keeper benutzen.

Auf die nächsten Geschichten

Ich hoffe, dass ihr mit Chronicle Keeper ebenso viel Spaß habt wie ich. Baut eine Welt, schreibt das Tagebuch eures Charakters weiter, plant eine Session oder fragt den Keeper, warum diese eine Fraktion noch einmal sauer auf euch war. Wahrscheinlich hattet ihr einen sehr guten Grund. Wahrscheinlich.

Version 1.0 ist für mich vor allem eine offene Tür. Probiert Chronicle Keeper aus, bringt eure Geschichten mit und sagt mir, was euch fehlt. Wenn daraus ein Werkzeug wächst, das einer Spielrunde auch nach vielen Jahren noch dabei hilft, ihre gemeinsame Welt wiederzufinden, dann hat sich die ganze Reise gelohnt.